Interview mit Florian nach seinem Ironman Hamburg
Ein Ironman ist kein kleines Projekt.
3,8 km Schwimmen.
180 km Radfahren.
42,2 km Laufen.
Florian hat sich ein Jahr lang auf seinen Ironman vorbereitet. Anfang Mai stand bereits ein 70.3 in Italien an. Im August folgt der 70.3 in Leipzig und im Herbst vermutlich noch ein Marathon. Nach seiner erfolgreichen Teilnahme beim Ironman Hamburg haben wir ihn im The Pace interviewt und ihm unser The Pace “Athlete” Shirt übergeben. Mehr als verdient.
Wichtig zur Einordnung:
Wir haben nicht Florians spezifische Triathlon-Vorbereitung geplant. Schwimmen, Radfahren, Laufen und die konkrete Wettkampfsteuerung sind nicht unsere Kernkompetenz. Unsere Aufgabe war es, ihn athletisch zu begleiten.
Florian trainiert seit über zwei Jahren bei uns. In dieser Zeit ging es vor allem um funktionelles Krafttraining, Belastbarkeit, Bewegungsqualität und darum, seinen Körper auf diesem langen Weg stabil und leistungsfähig zu halten.
Im Interview haben wir mit ihm über seinen Ironman, die Vorbereitung, Ernährung, Nervosität, Schmerzen, Regeneration und die richtige Pace gesprochen.
Interview mit Florian
The Pace: Florian, erstmal Glückwunsch zum Ironman Hamburg. Wie viel Energie verbraucht man bei so einem Rennen ungefähr?
Florian: Schwer genau zu sagen, aber bei mir waren es ungefähr 6.000 kcal insgesamt.
The Pace: Hat sich dein Gewicht durch den Wettkampf stark verändert?
Florian: Ich kann es nicht ganz genau sagen, aber ich schätze, dass es danach ungefähr 3 bis 4 kg weniger waren.
The Pace: Und was gab es danach zu essen?
Florian: Unter anderem eine halbe Pizza und einen Teller Nudeln mit Lachs.
The Pace: Du hast schon 2018 einen Ironman gemacht. Wie war Hamburg im Vergleich zu deinem ersten Ironman?
Florian: Komplett anders. Ich war diesmal sogar aufgeregter als beim ersten Mal, weil ich wusste, was mich erwartet. Donnerstag und Freitag davor war ich sehr nervös.
2018 war es warm und heiß. Da ging es viel darum, sich zu kühlen. Dieses Mal war es eher andersherum: Wie bleibe ich warm?
Was gleich war, war das strategische Denken. Wann esse ich? Wie teile ich mir das Rennen ein? Wie laufen die Wechsel? Solche Dinge.
2018 war ich ungefähr eine halbe Stunde schneller. Dieses Mal ging es vor allem wegen des Laufens nicht schneller.
The Pace: Welche Disziplin war für dich die leichteste?
Florian: Schwimmen.
The Pace: Und welche war die schwierigste?
Florian: Laufen.
The Pace: Es gab beim Rennen ja auch das Thema mit den Metallsplittern. Hast du davon etwas mitbekommen?
Florian: Ja, aber erst später. Währenddessen habe ich mich nur über manches gewundert, wusste aber nicht genau, was los war.
The Pace: Wie lief die Verpflegung im Rennen?
Florian: Bis zum Laufen lief es gut. Vor dem Rennen hatte ich ein Gel und eine Banane. Auf dem Rad hatte ich eine Flasche mit 11 Gels vorbereitet und habe ungefähr alle 20 Minuten etwas davon genommen.
Beim Laufen wurde es schwieriger. Da habe ich Magenprobleme bekommen, vor allem wenn ich Gel genommen habe. Ich hatte zwar Gels dabei, aber die waren schnell weg. Danach gab es Banane und Wasser. Später, ungefähr ab Kilometer 28, kam Cola dazu.
The Pace: Hattest du Schmerzen?
Florian: Richtige Schmerzen eigentlich nicht. Es war natürlich extreme Ermüdung, aber keine Schmerzen. Das fand ich selbst positiv, weil ich ungefähr 12 kg schwerer war als damals beim ersten Ironman.
The Pace: Was denkt man während so eines langen Rennens?
Florian: Kein bestimmtes großes Thema. Ich war eigentlich die ganze Zeit im Wettkampf.
Wo ist die Boje?
Wo ist der Wechselbeutel?
Wer ist rechts und links von mir?
Windschattenregel beachten.
Bloß keinen Platten bekommen.
Rechnen im Kopf.
Wie geht es meinem Magen?
Wie kalt wird es noch?
Es sind viele kleine Dinge, auf die man die ganze Zeit achtet.
The Pace: Gibt es ein vergleichbares Gefühl wie das Finish eines Ironman?
Florian: Rein sportlich ist es ein sehr befreiendes Gefühl. Ich würde es aber nicht mit Dingen wie der Geburt meiner Kinder vergleichen. Sportlich ist es aber überragend. Mir fällt da nichts Vergleichbares ein.
The Pace: Wie geht man mit Ermüdungssituationen um?
Florian: An die nächste Wegmarke denken. Nicht an alles, was noch kommt. Einfach nur bis zum nächsten Punkt.
The Pace: Wie lief die Vorbereitung insgesamt?
Florian: Insgesamt sehr gut. Ich war im Februar und März ungefähr fünf Wochen kränklich, das war natürlich nicht optimal. Aber ich hatte nie eine richtige Verletzung.
Es gab mal leichte Überlastungszeichen, zum Beispiel an der Plantarsehne, aber nichts, was mich wirklich eingeschränkt hat.
The Pace: Wie viele Stunden hast du pro Woche trainiert?
Florian: Meistens zwischen 9 und 15 Stunden pro Woche.
The Pace: Gab es einen Moment, an dem du gezweifelt hast oder aufgeben wolltest?
Florian: Nein.
The Pace: Wie lange brauchst du ungefähr für die Regeneration nach einem Ironman?
Florian: Ich würde sagen 1,5 bis 2 Wochen.
The Pace: Was gab es am Tag vor dem Ironman zu essen?
Florian: Normales Hotelfrühstück, dann noch etwas vom Bäcker nach dem Training, später Flammkuchen, Ofenkartoffel und Riegel.
The Pace: Wie aufgeregt warst du vor dem Rennen?
Florian: Sehr.
The Pace: Welche Bedeutung hat die richtige Pace beim Ironman?
Florian: Eine sehr große. In jedem Moment, in dem du überziehst, rächt es sich später. Du kannst es irgendwann nicht langfristig halten.
Man muss auch aufpassen, sich nicht von Fans oder der Stimmung zu sehr mitreißen zu lassen. Das fühlt sich im Moment gut an, kann aber später teuer werden.
The Pace: Was würdest du bei einem erneuten Start anders machen?
Florian: Ich würde die Planung individueller über einen Trainer oder eine Trainerin machen. Vor allem, um mehr Feedback zu haben.
Unser Fazit
Florian hat eindrucksvoll gezeigt, was mit Struktur, Konstanz und der richtigen Pace möglich ist.
Mit Familie. Mit Job. Mit vollem Terminkalender.
Und mit mehr Muskelmasse, als man sie bei klassischen Ausdauerathleten oft erwartet.
Wir sind dankbar, dass wir ihn auf diesem Weg begleiten durften. Nicht als Triathlon-Coaches, sondern über funktionelles Kraft- und Athletiktraining, mit dem Ziel, seinen Körper belastbar, stabil und leistungsfähig zu halten.
Seit über zwei Jahren arbeiten wir gemeinsam daran.
Der Ironman Hamburg war dafür ein starkes Ergebnis.
Und ein schönes Sinnbild, was die richtige Pace alles möglich machen kann.